Baunebenkosten / Tiefbau

Heute mal ein wichtiger Punkt, den viele Bauherren aus Unwissenheit nicht richtig auf dem Schirm haben, die Baunebenkosten. Neben unvollständigen Angeboten und intransparenten Baubeschreibungen sorgen die nämlich ebenfalls für lange Gesichter beim Hausbau. Oft müssen Bauherrn nachfinanzieren, weil diese Punkte nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Über die Baunebenkosten bzw. den unerwarteten Mehrkosten beim Hausbau könnte man ganze Bücher schreiben. Da ich kein Autor bin, sondern Experte für moderne Fachwerkhäuser, schreibe ich hier auch keine ellenlange Texte, sondern bringe das Thema ab jetzt immer projektbezogen mit ein. Ich denke dann bekommen Sie im Laufe der Zeit ein ganz gutes Gefühl, wie man diese Kosten besser einschätzen oder im besten und seltensten Fall sogar verhindern kann.

Heute war ich auf einer Grundstücksbesichtigung. Der Bauherr, der noch zwischen Huf und Davinci Haus schwankt, hat mich gebeten, den ersten Termin mit dem Kellerbauer zu begleiten. Den Baustein gibt es übrigens noch nicht in meinem Shop. Wer ebenfalls Interesse hat, ruft einfach kurz an und wir finden ein gentleman agreement. Ein mündlicher Handschlag am Telefon ist für mich verbindlich. Also hier sieht man erst mal ein riesiges Grundstück, welches 2000 m2 groß ist und, wenn die Wolken nicht wären, einen tollen Blick auf die Berge ermöglicht.

 

Hier geht es schon los mit dem Thema Kosten. Erkennen Sie die 3 unterschiedlichen Farben der Erdhügel? Rechts sehen Sie den guten Mutterboden, der sich sogar verkaufen läßt, wenn man ihn auf dem Grundstück nicht unterbringt. Links vorne sehen Sie einen Kiesel- und Schotterhügel, den man später zum verfüllen der Baugrube verwenden kann. Der hellbraune Erdhaufen in der Mitte ist Bauschutt von einem Abrisshaus und muss auf einer Deponie entsorgt werden. Bauherr und Grundstückskäufer haben verhandelt, dass der Verkäufer die Kosten der Entsorgung übernimmt.

 

Aus diesem Loch stammt der Aushub. Sie sehen hier das stehende Wasser. Das diese Bodenverhältnisse was mit Zusatzkosten zu tun haben, ist offensichtlich. Darum sollten Sie am besten schon vor Grundstückskauf ein Bodengutachten erstellen. Damit lassen sich grundstücksbedingte Mehrkosten nicht verhindern, aber Sie schaffen damit im Vorfeld Kostenklarheit und wissen dann, wie viel Sie noch für Ihr Haus übrig haben.

 

Sie brauchen aber keine Angst vor solchen Grundstücken zu haben. Man bekommt immer alles gelöst. In dem Fall baut man einfach mit einer weißen Wanne, also einen wasserundurchlässigen Keller. Nicht zu verwechseln mit wasserdicht.

 

Wie eben schon beschrieben ist es kein Problem, wenn man drückendes bzw. stehendes Wasser auf dem Grundstück hat. Man muss es halt nur früh genug wissen. 95% aller Hausverkäufer in den Musterhäusern bieten erst mal den wasserdichten statt den wasserundurchlässigen Keller an, weil dieser oftmals ausreichen kann und etwas günstiger ist. Dann verplant man das restliche Budget für Haus und Ausstattung und hinterher muss man Abstriche machen. Das nervt einfach. Der richtige Prozess geht so: Erst Bodengutachten, dann Angebot Keller, danach Angebot Haus und zum Schluss die Ausstattung. Noch kurz zum Bild: Wer bei der Grundstückssuche diese Gräser/Pflanzen (vermutlich Schilf?) sieht, kann davon ausgehen, dass es ein Grundstück mit drückendem Wasser ist und ein Keller mindestens 3000 Euro mehr kosten wird, eher etwas mehr.

 

Wer sich verschiedene Grundstücke anschaut und nicht jedes mal einen Bodengutachter beauftragen möchte, was zwischen 500 Euro und 1500 Euro kosten kann, kann aber mit diesen Tipps schon mal selbst ein bisschen filtern. Achten Sie also wie eben geschrieben auf Schilf. Auch wenn die Grundstücksbesichtigung im Sommer erfolgt und das Grundstück trocken wirkt, ist dies ein klares Anzeichen für etwas höhere Kosten bei Keller und Tiefbau. Tipp 2: Die ideale Zeit für Grundstücksichtigungen ist, wie jetzt, der Herbst. Der Boden nimmt dann kaum noch Wasser auf und man sieht auf diesem Bild wie das Wasser unter der Hecke steht.

 

Tipp 3: Auf die Nachbarn schauen. Hier erkennt man ein leichtes Gefälle auf dem Grundstück. Das Haus wurde also etwas höher gesetzt und der Grund wurde direkt am Haus angeschüttet und fällt dann Richtung Grundstücksgrenze leicht ab. Das Wasser wird somit vom Haus weggeführt.

 

Hier noch mal das Nachbarhaus vom Titelbild in Nahaufnahme. Wer weiß, welche Firma das moderne Fachwerkhaus gebaut hat, kann gerne einen Kommentar da lassen. Ich tippe auf Werkhaus, bin mir aber nicht ganz sicher. Von den Details her könnte es auch Beilharz sein.

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